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Date of registration: Apr 21st 2005

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1

Friday, July 30th 2010, 2:35pm

Trauben

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Ich glaube nicht an die Magie von Trauben, nicht an ihre Farben: gelbgrün, blaulila – bei dem Gedanken an Lila lache ich bitter auf. Aber sie waren nicht lila, sondern grün und zumindest das sollte beruhigen. Dann - in der Erinnerung schälen sich Kindergeschichten aus den Ecken, schütteln Fäuste und verschwinden wieder lautlos – bist Du gegangen. Was bleibt ist das Grau der sich wichtig nehmenden Wolken, die selbstsicher den Tag dominieren.

Das ist viel besser, sage ich mir, und dass die Luft sich einsaugen lässt in die Lunge, die viel zu lange verkrampft dem Strohgeruch von Sommerwiesen stand zu halten bemüht war. Das Gelb einer viel zu hellen Sonne erinnere ich und das Wissen darum, dass nichts von dem echt war, was Du erwähntest; und wie Du aussiehst, wenn Du solche Tatsachen abstreitest, das weiß ich auch (und den stummen Vorwurf in Deinen Augen, den ich übersehen wollte, nicht konnte und also ertragen lernen musste, aber das gehört zu den Dingen, die man nur flüstert, nicht ausspricht).

Vielleicht, blitzt eine Idee in mir hoch, sollte ich mal wieder ein paar der Erinnerungen sortieren; Gefühle zusammenfalten und sorgsam in Schränken verstauen, deren Schlüssel sich nur in eine Richtung drehen. Endlich etwas Greifbares, wende ich mich voller Interesse dem Abbild dieser Schränke in mir zu, verfolge die Maserung des Holzes, das gewaltsam gebrochen, geschnitten und mit Schleifpapier bearbeitet nicht mehr Baum, sondern Tür wurde. Haben sie nicht mehr unseres Mitleids verdient, diese Bäume?

Und als ich Mitleid denke, da fällt mir ein, dass ich viel zu lange schon nicht mehr geweint habe und dass ich früher mal dachte, das Ausweinen würde helfen; und wie trügerisch das doch war, denn raus kam er doch nie aus mir, dieser Kummer. Wenn ich jetzt also deinetwegen ein paar weitere Tränen in die Sommerwiese tropfen ließe, die deinen Namen trügen, so wärest Du nicht weiter fort oder näher und nichts würde besser?

Als mir das einfällt, schlinge ich die Arme um meine Knie, zieh sie dicht unter mein Kinn und lasse mich treiben: Ich glaube nicht an die Magie von Trauben, dröhnt es leise noch in meinem Kopf; sie waren nicht lila, flüstert es nach und etwas Strohgeruch scheint aus den verschlossenen Schränken aufzusteigen und ich merke, es wird gar nicht besser…
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...

… Also las ich ihm aus dem Wind vor, in der Hoffnung, es würde ihn ablenken. Letztendlich las ich sogar den Sturm und sah doch noch immer den Hunger in seinen Augen und wie er fror. Vielleicht, meinte er, vielleicht fiele bald Regen; solcher, der sich in kleinen Pfützen sammelt und dann allmählich über ihre Ränder sickert, die zuvor niemand sah. …
[Auszug aus "Steinseiten"]
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Date of registration: Jun 14th 2005

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2

Sunday, August 1st 2010, 7:46pm

Liebe linespur,

es freut mich ungemein, dass wir in letzter Zeit wieder öfter in den Genuss kommen, deine Kurzgeschichten lesen zu können. Gerne hätte ich auch schon deine zuletzt eingestellte Geschichte kommentiert, leider fehlte mir zunächst die nötige Zeit für einen ausführlichen Kommentar und als die Zeit da war, hattest du deiner Geschichte leider schon die Chance zum Kommentieren und Loben genommen. Schade. Damit dieses Schicksal nicht auch dieser Geschichte widerfährt, greife ich jetzt direkt zur Tastatur.

Trauben. Die wahrscheinlich erste Assosiation bei diesem Wort sind reife, pralle Früchte, deren Saft beim Essen den Gaumen süß umspielt. Nicht zuletzt auch eine Frucht, die Herrschern gereicht wird. Aber wer diese Assoziation beim Titel hatte, wird beim Lesen überrascht werden, denn hier haben die Trauben einen bitteren Beigeschmack. Mit ihnen sind Erinnerungen an einen bestimmten Menschen genküpft. Zumindest verleitet das Sinnieren über die Traubenfarbe, die Gedanken und Gefühle schweifen zu lassen. Und im Loslassen des Jetzt kommt die Kindheit zurück und damit ein unverarbeitetes Verlassenwerden. Aus Trotz vielleicht oder einfach aus einem Selbsterhaltungstrieb heraus wird sich eingeredet, dass die Situation so wie sie ist, besser ist und dass Ungesagtes oft viel länger lebt als Gesagtes. Wie einfach wäre es doch, wenn man Emotionen und Erinnerungen in Schränken einsperren könnte, wie Akten, die bearbeitet sind und abgeheftet werden. Und gleichzeitig wäre der Mensch so arm, wenn es möglich wäre. Genauso wie die Erleichterung nach ein paar vergossenen Tränen fehlte, wenn man sich rational bewusst wäre, dass sie doch nichts ändern.

Der Protagonist nimmt den Leser durch seine persönlichen Erlebnisse mit auf einen Weg zu philosophischem Denken. Der Zweispalt zwischen Vergessen möchten und doch noch einen Funken Hoffnung in sich tragen, dass sich etwas ändert, blitzt an einigen Stellen durch.
Ich mag diese Erzählweise, die scheinbare Nebensächlichkeiten wie das Holz einer Schranktür plötzlich in den Mittelpunkt des Denkens stellt und als Überleitung nutzt, aber sich dennoch nicht in Nebensächlichkeiten verläuft. Es hat eher den Anschein, die Welt einmal aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen.
An einigen Stellen sind meiner Meinung nach eher lyrische Elemente eingebaut, wie zum Beispiel hier:

Zitat

... schütteln Fäuste und verschwinden wieder lautlos – bist Du gegangen.
Dass man ein Wort in zwei Zusammenhängen lesen muss, damit Sinn entsteht, erfordert vom Leser Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, sich auf den Text einzulassen. Man kann nicht einfach darüber hinweglesen und ich denke, dass solche schriftstellerischen Feinheiten in einer Geschichte leider eher untergehen, als in einem Gedicht. Dennoch sind sie das i-Tüpfelchen, das eben den Unterschied macht.
Etwas irritiert bin ich von dieser Stelle, genauer gesagt von dem Fragezeichen am Ende.

Zitat

Wenn ich jetzt also deinetwegen ein paar weitere Tränen in die Sommerwiese tropfen ließe, die deinen Namen trügen, so wärest Du nicht weiter fort oder näher und nichts würde besser?
Für mich macht es den Anschein, dass der Protagonist schon weiß, dass es nicht besser würde. Daher würde eine Interpunktion in dieser Variante "...so wärest Du nicht weiter fort oder näher? Und nichts würde besser." (oder einfach das Fragezeichen durch einen Punkt ersetzen) noch eher mein Empfinden beim Lesen widerspiegeln.

Zum Schluss bleibt mir nichts weiter zu sagen, als ein Danke für die gelungene Gedankenreise in unverwechselbar weicher Atmosphäre. Sehr gern gelesen.

Liebe Grüße,
die Nachtspinnerin
"Ein Leben, bei dem nicht von Zeit zu Zeit alles auf dem Spiel steht, ist kein Leben." (Luise Rinser)


~* mehr Nachtgesponnenes: Unterm Sternenzelt *~
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3

Monday, August 2nd 2010, 4:30pm

Hallo Nachtspinnerin,

Deine sanfte Lesweise, Dein Umkanten vom Denken und die Einfühlsamkeit in diesen Text tut schlicht wohl. Und auch wenn ich inzwischen bedaure, den letzten gelöscht zu haben, weil er genau hierher gehört hätte, muss ich eingestehen, froh zu sein, dass Du diesen kommentiertest, nicht jenen; ich stellte ihn wieder ein, aber dann wohl nur als geschlossenes Thema, aber das machte keinen Sinn in einem Lyrikforum, das nun doch einmal der Textarbeit gewidmet sein sollte, nicht der Ausstellung von Briefen, Nachrichten, aus dem Grunde, das man sonst nicht wüsste, wohin damit - manche Dinge sind so flüchtig, dass sie keine Wegbeschreibungen hinterlassen und dennoch so wahr, so nachhaltig wahr und erinnernswert, dass man sie sagen muss, herbeten, immer wieder und Erinnerung und Empfinden sich überlappen, bis ein Wirklichkeitsnebel entsteht... Aber auch das gehört eigentlich gar nicht hierher *lächel*-

Das Fragezeichen dort befriedigt Dich nicht; ja, wahrscheinlich sollte ich nicken und ändern, wäre da nicht diese Widerersprüchlichkeit zwischen Wissen und Hoffen, die Vielzitierte Streiterei zwischen Verstand und Gefühl. Man wünscht doch, man hofft, man möchte Glauben, dass diese Tränen etwas ändern würden und dieser Funke blitzt wider besserem Wissens heraus, indem eben doch noch die Frage dort bleibt: Kehrt jemand um, um Tränen zu trocknen? (Wie viele Versprechen kennt eine Feder?) Und wenn gen Ende zugegeben wird, dass eine solche Hoffnung nicht existiert, so würde ich dennoch nie zugeben, dass irreale Wünsche verblassen?

Zitat

Und gleichzeitig wäre der Mensch so arm, wenn es möglich wäre.

Danke für diesen Satz, den ich blindlings unterschriebe, wäre Papier nicht zu flüchtig. Ich spüre gern das Pochen hinter den Gedanken, die schnellebig gesprochenen Wortes wie Schallwellen verebben, weil ersteres bleibt.

Danke, vielmaliges Danke an Dich
Nina
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… Also las ich ihm aus dem Wind vor, in der Hoffnung, es würde ihn ablenken. Letztendlich las ich sogar den Sturm und sah doch noch immer den Hunger in seinen Augen und wie er fror. Vielleicht, meinte er, vielleicht fiele bald Regen; solcher, der sich in kleinen Pfützen sammelt und dann allmählich über ihre Ränder sickert, die zuvor niemand sah. …
[Auszug aus "Steinseiten"]
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Sternstaub

chaotischer Wirbelwind

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4

Monday, August 2nd 2010, 10:32pm

Liebe Nina,
auch ich mag erst kurz dem anderen Text zwei, drei Worte widmen.
Wenn ich mich recht erinnere, ging es um die Traurigkeit, dass jemand oder etwas verschwunden ist und nicht zurück zu holen ist. Wenn Nachtspinnerin und ich dem Text nun hinterher trauern und wissen das etwas (schönes) vergangen ist mit der Unwissenheit: Mag es wieder zurück kehren? Hast du zumindest „uns (beide) bebildert“ und auch wenn ich mich an kein Wort erinnern kann, das du schriebst, bleibt ein Gefühl, wie der Text war.
Zu diesem Text: Ich bin Nachtspinnerin dankbar, dass sie diesen Text „schützt“, weil mir eigentlich die Zeit zum Kommentieren fehlt. Mich verfolgt aber das Bild der Farben in diesem Text, so dass ich dem doch noch einmal auf die Spur gehen muss.
Lilaroter Wein schmeckt etwas schwer und traurig, während die hellgrüne Hoffnung irgendwie leichter schmeckt, wenn man schon die Magie der Trauben sucht, ist Wein wohl sicher eine (magisch-) manipulative Kraft zuzuschreiben.
Die beiden Farben verfolgen mich etwas, weil ich das Bild von blauen Flecken oder blauen Augen nicht los werde. „…sie waren nicht lila, sondern grün und zumindest das sollte beruhigen“ – die Blutergüsse heilen, sind nicht mehr lila, sondern schon leicht grünlich und nicht mehr ganz so auffällig und bieten damit Grund zur Hoffnung.
Die Kindheitserinnerung malt ein bestätigendes Bild der Gewalt. Letztendlich bleibt ein tristes, monotones Grau, das alles verschleiert und vereinheitlicht.
Dieses triste Alltagsgrau ist besser als die Erinnerung an Sommerwiesen und Strohgeruch, der von gelber Farbe geprägt ist. Diese Farbe ist zu eng geknüpft an all die Lügen und die stummen Vorwürfe.
Dein Schrank der Erinnerung wirkt wie ein Briefkasten. Man schreibt, schließt den Brief und verliert die Macht über all das Geschrieben, Gedachte, Gemeinte. Aber irgendwie frage ich mich auch, ob nicht ein jeder Mensch geschliffen von der Umwelt zu solch einer Holztür mit individueller Schnitzerei und Lackierung wird.
Hilft das Weinen und bringt Erleichterung? Von der damaligen Überzeugung bis zur heutigen Resignation malst du ein Bild und lässt dabei offen welche Rolle die Magie der Trauben oder vielleicht doch die ein, zwei, drei Flaschen Wein gespielt haben, um sich all dieser Dinge erinnern zu können.
Ich hoffe du kannst mit meinen Assoziationen was anfangen und siehst, was deine Farben mir gemalt haben.
Ganz, ganz lieber Grüße,
dein Stäubchen
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5

Tuesday, August 3rd 2010, 8:49am

Mein liebes Sandkornprisma-Stäubchen,

Deine Farbvielfalt, das was Du daraus machst, zeigt mir, wie eng wir zueinander stehen; trotz aller Ferne. Mir ist ganz warm und heimsanft fühl ich mich zur Hand genommen von den Worten, die Du schreibst. Das erinnert mich an andere, die Du auch schriebst und daran, dass hier etwas liegt, was auf den Weg zu Dir gehört. Auch ich suchte lang *zwinker* (Achja, ich dachte auch an grünen Schnee, als ich das von Dir las und lächelte, weil solcherlei Erinnerung zu dem zählt, was es braucht.)

Nun, das "Uns bebildert" habe ich - Einverständnis der Moderation voraus gesetzt - wieder eingestellt nun. Eigentlich hätte ich aus der Vergangenheit lernen müssen, dass es nie richtig ist, etwas zu löschen, was einstmals da war; vielleicht aber lerne ich irgendwann zumindest, sorgfältiger abzuwägen, was wohin gestellt werden sollte, lerne damit umzugehen, wenn die Erinnerung es später in einem Forum zu sehen, schmerzlich wird und achja, vielleicht werde ich auch erwachsen *g*. Traurig ist der Text eigentlich nicht, melancholisch vielleicht, denn er kennt neben dem Trennen auch noch das Verbindende. Gegensatzpaare, Du weißt ja, kein Schwarz ohne Weiß und keinen Mut ohne Angst könnte man Namen geben.

Mir geht die Tage viel durch den Kopf - ich schreib Dir ein bißchen was davon jedenfalls an anderer Stelle nieder
Deine Nina
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… Also las ich ihm aus dem Wind vor, in der Hoffnung, es würde ihn ablenken. Letztendlich las ich sogar den Sturm und sah doch noch immer den Hunger in seinen Augen und wie er fror. Vielleicht, meinte er, vielleicht fiele bald Regen; solcher, der sich in kleinen Pfützen sammelt und dann allmählich über ihre Ränder sickert, die zuvor niemand sah. …
[Auszug aus "Steinseiten"]
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